Chronik


Chronik


 

Als im Jahre 1880 im damaligen Kaiserreich die als Feuerwehrmänner verpflichteten Bürger unseres Ortes erkannten, dass man, um Hilfe in der Not zu leisten, nicht vom Staat verpflichtet werden muss und sich freiwillig zu dieser moralischen Pflicht bekannten, schlug die Geburtsstunde der

– Freiwilligen Feuerwehr Erdeborn –

Gründer dieses Vereins waren unter anderem H. Herrmann, F. Walther, Max Fischer und Karl Hausherr.

Den Vorsitz dieses Vereins führte von der Gründung bis zum Jahre 1912 H. Herrmann. Dann übernahm der Brandmeister Franz Walter diese Funktion, die er mit kurzer Unterbrechung bis zum Jahre 1928 begleitete. Ab Januar 1929 wurde der Kamerad Otto Schippel, der seit dem 11.05.1924 der Wehr angehörte, zum Vorsitzenden gewählt. Dieser führte die Wehr als Oberbrandmeister bis zu seiner Berufung zum Wirkungsbereichsleiter im Jahre 1956. Ab diesem Zeitpunkt übernahm der Kamerad Otto Festner mit Unterbrechungen —als der Kamerad Otto Hammerschmidt bzw. der Kamerad Helmut Deutscher Wehrleiter waren — die Wehrleitung bis zum Januar 1980.

Höhe und Tiefen hatten vorgenannte Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Erdeborn zu bestehen. Zwei Weltkriege rissen Lücken in die Reihen der Wehr. Schon 1915 wurden ehemalige Mitglieder der Pflichtwehr zur Verstärkung der freiwilligen Feuerwehr herangezogen und 1917 war die Wehr durch Einberufung von Kameraden zum Heeresdienst nicht mehr in der Lage eine Löschgruppe zu bilden. Notgedrungen wurden die Turner verpflichtet Dienst in der Feuerwehr zu tun und erhielten Unterweisung in der Bedienung der Handdruckspritze.

Auch die technischen Hilfsmittel der freiwilligen Feuerwehrmänner wandelten sich im Laufe der Zeit. Waren es anfangs Ledereimer, die durch die gebildete Kette der Wehrmänner und freiwilligen Helfer mehr oder weniger mit Wasser gefüllt bis zur Brandstelle gelangten, so war es vor der Jahrhundertwende schon eine Handdruckspritze, die aber ebenfalls noch mit Wasser aus Eimern oder Fässer gefüllt werden musste.

1906 wurde von der Gemeinde eine neue Handdruckspritze angeschafft mit der man in der Lage war, aus stehenden bzw. fließenden Gewässern oder Fässer bereits Wasser anzusaugen und über längere Strecken zur Brandstelle zu drücken. War kein Wasserreservoir in der Nähe, so musste per Wasserwagen erst das köstliche Nass herangeschafft werden. Da dies nicht immer rechtzeitig zu schaffen war, brannten mitunter Objekte bis auf die Grundmauern ab. So zum Beispiel die ehemalige Froman´sche Mühle (ehem. Berger), die am 5. 7. 1914 in Brand geriet.

Spätere Großbrände ereigneten sich 1918 an Rusches Scheune und dem Grundstück Bachran, 1930 an der Feldscheune Theuerjahr im Aselebener Weg und 1936 an der Scheune von Paul Träger.

Mit der Indienststellung der l. Motorspritze TS 4 am 9.5.1937 erhöhte sich die Einsatzmöglichkeit der Wehr und als dazu noch ein alter 6-sitziger Opel als Vorspannfahrzeug angeschafft war, wurde die Wehr auch überörtlich eingesetzt. Erste Maschinisten an dieser technischen Neuerung waren die Kameraden Karl Höhne, Karl Rohland, Gustav Walter (†) und Paul Schulze (†).

Doch es gab weitere Großbrände in Erdeborn. 1944 brannte der Schafstall auf Rusches Hof ab. 1945 ging durch spielerischen Beschuss mit Leuchtspurmunition durch amerikanische Besatzungssoldaten die Feldscheune Theuerjahr am Scheffelweg in Flammen auf. Anfang der fünfziger Jahre brannte die Feldscheune am Helftaer Weg (ehemals Raiffeisen-Lager) durch Blitzeinschlag nieder. Spätere Brände ereigneten sich am Wohnhaus Starke, in der Scheune der Familie Eube, in der Pfarrhausscheune, in der Scheune des Gemeindegrundstückes Thälmannstraße 1 und am Stallgebäude des Gemeindegrundstückes Schulstraße.

Mehrmals war die Wehr bei Hochwasserkatastrophen im Einsatz. So zum Beispiel vom 16.-18.7.1965 in Erdeborn. Dabei waren 45 Kameraden im Einsatz, zum Teil 42 Stunden hintereinander. Mit der Gründung des Bauzuges war die Wehr auch bei Hochwassereinsätzen überörtlich eingesetzt worden, so z. B. 1956 in Unterrißdorf, Volkstedt und Artern.

Weitere Einsätze hatte die Wehr bei Getreide- und Grasflächenbränden, bei Waldbränden und Gebäudeeinstürzen. Schornsteinbrände riefen die Kameraden wiederholt zum Einsatz, besonders dann, wenn die schlechte Brennstoffsituation die Bürger zum Verfeuern von Rohkohle und Tannenreisig nötigte. So waren 1949 dreizehn Schornsteinbrände zu verzeichnen. Doch nicht nur bei gefahrvollen Einsätzen fanden sich die Kameraden der Wehr zusammen.

Auch fröhliche Anlässe wurden in den vergangenen Jahren gefeiert. So wurden viele Tanzvergnügen, Maskenbälle und Kappenfeste veranstaltet.

Am 24. Mai 1914 wurde der neue Steigerturm eingeweiht. Am 5. Juli 1925 wurde ein Stiftungsfest gefeiert. Am 21. und 22. Juni 1930 beging man das 50jährige Bestehen und zur selben Zeit wurde der Feuerwehrverbandstag im Ort veranstaltet. Am 17. und 18. Juli 1954 feierte man das 75jährige Stiftungsfest. Vertreter von 12 Nachbarwehren waren zugegen. Am Vorabend fand eine kulturelle Veranstaltung, umrahmt durch den Männerchor, verbunden mit Auszeichnungen, statt. Nach dem Empfang der auswärtigen Wehren fand ein Festumzug und an schließend eine Schulübung und eine Angriffsübung statt. Kletterübungen an dem Steigerturm und das Demonstrieren von Menschenrettung mit Seilen beendeten das Programm. Auch das 100-jährige Bestehen wurde von der gesamten Wehr gestaltet. Unter rühriger Anleitung des neuen Wehrleiters Willfried Dockhorn † bereitete die neue Leitung dieses Fest vor. Mit neuem Elan ging es auch an die Stärkung der Wehr heran. Es wurden neue, junge Kameraden geworben und bei Schulungen und praktischen Übungen die Einsatzkraft der Wehr gestärkt, so dass die seit 1974 zur Verfügung stehende Technik bei eventuellen Katastrophen auch genutzt werden kann.

Dieses moderne Feuerlöschfahrzeug, das gleichzeitig auch als Tanklöschfahrzeug eingesetzt werden kann, ist mit einer Vorbaupumpe, einer Tragkraftspritze, einer Funkstation, Atemschutzgeräten, einem Notstromaggregat, einer Krankentrage, Steckleitern, einem Schlauchwagen einschl. 450 m Schlauchleitung und sonstigen Feuerwehrgrundausrüstungen bestückt.

Unsere Wehr wurde durch folgende Wehrleiter geführt:

  • bis 1980 Festner Otto
  • 1980-1996 Dockhorn Willfried †
  • 1996-2007 Hedler Burkart
  • ab 2007 Schäffel Marco

1997 wurde unser LO durch ein LF16-TS8 W50 ersetzt und als ELW (Einsatzleitwagen) ein Wartburg in Dienst gestellt. Im Jahr 2000 bekamen wir einen Rettungssatz (Beispiel). Ein alter TSA (Tragkraftspritzenanhänger) wurde daraufhin von den Kameraden zum “Technische-Hilfeleistung-Anhänger” umgebaut.

Unsere Sportgruppe “Löschangriff” wurde im Jahr 2005 gegründet und nimmt seit 2006 an Wettkämpfen innerhalb und außerhalb des Landkreises teil.

Weitere Daten der Freiwilligen Feuerwehr Erdeborn:

  • l. Juli 1945: Laut Beschluss der Provinzregierung Sachsen-Anhalt tritt ein antifaschistisches Feuerwehrwesen in Kraft.
  • 8. April 1949: Alle Feuerwehrgeräte gehen in Eigentum des Kreises über.
  • Ab 1951 Durchführung von Wettbewerben im Feuerwehrkampfsport und von zusätzlichen Wachgängen anlässlich von Wahlen, Staatsfeiertagen und besonderen Anlässen.
  • Im Jahre 1962 wurde die Gruppe “Junge Brandschutzhelfer” gegründet.
  • 1968 Indienststellung der ersten TS 8
  • seit 2014 neues Gerätehaus

Alarmierung:

  • Bis 1925 durch Kirchenglocken,
  • ab 1925 durch 5 Feuermeldestellen,
  • ab 1. 12. 1928 wurden 2 Nebelhörner angeschafft,
  • ab 1939 gab es eine Handsirene und weitere Nebelhörner,
  • ab 1963 eine elektrische Sirene auf dem Bürgerhaus (damals Kulturhaus)
  • 1970 Aufstellung einer zweiten elektrischen Sirene auf dem Gemeindehaus im Angerweg (ehemals Mühle Enert)
  • seit 1993 Alarmierung über “Pieper” und Sirene durch die Leitstelle Mansfelder Land
  • seit 2007 über die Leitstelle MSH
  • seit 2009 Digital Alarmierung

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